Saturday, April 30, 2005

President Rugova: The Time of Hate in Kosovo is Over - Interview in German for the Austrian Daily

"Im Kosovo ist die Zeit des Hasses vorüber"
Von unserer Korrespondentin GERTRAUD ILLMEIER (Die Presse) 30.04.2005
Präsident Rugova beharrt auf rascher Anerkennung der Unabhängigkeit Kosovos durch EU und USA.
Unermüdlicher Kämpfer für Unabhängigkeit. Rugova hält nichts von direkten Verhandlungen mit den Serben. | (c) epa

Die Presse: Ihr Standpunkt hat bisher gelautet, dass die EU und die USA direkt die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen sollen. Werden Sie diesen Standpunkt nicht modifizieren müssen? Die UN-Mission im Kosovo (Unmik) sagt schließlich, dass das letzte Wort über die staatliche Zukunft des Kosovo der UN-Sicherheitsrat hat.

Ibrahim Rugova: Nein, ich werde das nicht modifizieren. Ich bestehe auf die direkte Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo durch die EU und die USA. Das würde diesem Teil Europas und auch der kosovarischen Gesellschaft Stabilität bringen. Die Unabhängigkeit des Kosovo wird Mazedonien, wo es eine zahlenmäßig große albanische Gemeinschaft gibt, stabilisieren, genauso wie Albanien, Montenegro und sogar Serbien.

Die internationale Gemeinschaft will zuerst evaluieren, ob wir alle nötigen Standards erfüllen und dann erst die Frage behandeln, wie der zukünftige Status des Kosovo aussieht. Wir werden die internationalen Partner dabei nicht behindern. Aber ich beharre auf der raschen Anerkennung der Unabhängigkeit, weil das die bessere Alternative ist.

Kürzlich hat ein wichtiger Think Tank, die Internationale Kommission für den Balkan, ein viel beachtetes Lösungsmodell vorgestellt. Es sieht einen Vier-Stufen-Plan vor, der dem Kosovo in einigen Jahren die Unabhängigkeit bringen soll. Was halten Sie davon?

Rugova: Ich denke, dass die direkte Anerkennung der Unabhängigkeit eine bessere und gesündere Option ist. Dieser Zugang in Phasen verkompliziert die Sache nur. Wir sind bereits seit sechs Jahren in der Phase eines vorübergehenden Status. Wenn bei Verhandlungen der Status des Kosovo zunächst offen bleibt, würde das nur unseren Nachbarn die Möglichkeit für Manipulationen bieten.

Von verschiedenen Seiten, unter anderem von den USA, Russland und den wichtigsten EU-Staaten, kamen aber Signale, dass eine sofortige Unabhängigkeit des Kosovo eher auszuschließen ist.

Rugova: Ich bestehe aber darauf und dafür arbeite ich. Die Fortschritte, die wir im Kosovo gemacht haben, haben international Anerkennung gefunden.

Nun geht es um die Frage der Anerkennung der Unabhängigkeit. Diese hat für uns auch eine praktische Bedeutung, denn ohne sie haben wir keinen Zugang zu internationalen Finanzinstituten und können keine diplomatischen Vertretungen im Ausland einrichten.

Wir sind jetzt in der Phase, in der wir uns auf die innere Entwicklung im Kosovo konzentrieren. Die Zeit des Hasses ist vorüber.

Kosovos politische Parteien haben sich bisher noch auf keine gemeinsame Plattform für die Verhandlungen über die Zukunft der Provinz geeinigt. Wer soll nun bei den Statusverhandlungen die kosovarische Delegation anführen?

Rugova: Es ist im Kosovo wie überall: Wir haben eine Regierung und eine Opposition, die naturgemäß die Regierung kritisiert. Wir sind aber nicht zerstritten. Ein Teil der internationalen Gemeinschaft hat sich offenbar noch nicht daran gewöhnt, dass wir jetzt im Kosovo Demokratie haben. Die gemeinsame Plattform aller Parteien heißt Unabhängigkeit, darin sind wir uns einig. Wenn es Statusgespräche geben sollte, wird die Opposition mit an Bord sein. Selbstverständlich werden die Gespräche von den legalen Institutionen des Kosovo geleitet werden.

Die Staatengemeinschaft besteht auf Direktgesprächen zwischen Ihnen und Serbiens Präsidenten Boris Tadic. Ihre Bedingung ist, dass ein solches Treffen nur im Rahmen einer internationalen Konferenz stattfinden kann. Im Mai gibt es in Paris eine Geberkonferenz für den Wiederaufbau der im Vorjahr zerstörten religiösen Stätten. Wäre dies ein möglicher Ort für ein Treffen?

Rugova: Ich messe einem solchen Treffen keine große Bedeutung zu. Es gibt ohnehin bereits Gespräche zwischen Belgrad und Pristina über technische Fragen. Serbien kann auch gerne an einer internationalen Konferenz zu Kosovo teilnehmen - aber ohne das Recht, ein Veto gegen den künftigen Status des Kosovo einlegen zu dürfen.

2 comments:

Anonymous said...

English translation?

MARTYR said...

Translation: We are Nazis